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Dichter des Vaderlands

Komrij 1981„Ach“, sagte Gerrit Komrij (Foto, 1981), „eigentlich muss man diese Aufgabe so ausfüllen, dass der nächste Dichter des Vaderlands sagt: Das war nix, ich mache das jetzt ganz anders. Oder: Es war wunderbar, ich muss es anders machen.“ Dazwischen gibt es nichts, denn ein Dichter des Vaterlandes kann es niemals allen Recht machen.

Gerrit Komrij war vier Jahre lang nationaler Dichter. Der erste überhaupt, der von den Lesern 2000 gewählt wurde. Innerhalb seiner „Amtszeit“ begleitete Komrij das Weltgeschehen in Gedichtform. Er schrieb über die Feuerwehrexplosion in Enschede, über das Verschwinden des Guldens, über die Heirat von Prinz Willem Alexander und Máxima Zorreguieta, über den Tod von Prinz Claus, den Krieg im Irak, die Geburt von Prinzessin Amalia. „Der Dichter des Vaderlands soll den Menschen Freude an der Poesie schenken“, sagte Gerrit Komrij bei seinem Amtsantritt. Der erste Dichter des Vaderlands war ein überwältigender Erfolg. Tausende Zuschriften erreichten die Tageszeitung NRC Handelsblad. Gerrit Komrij nutzte die Gelegenheit einen Poesieclub zu gründen und die Poesiezeitschrift „Awater“ auf die Beine zu stellen. Alle drei Monate erschien ein neuer Band mit Gedichten. Gerrit Komrij, vielen schon längst bekannt als Herausgeber von Gedichtbänden, wurde zum wichtigsten Anwalt der kleinen literarischen Form. Zum Abschluss seiner Amtszeit gab er zwei umfassende Bände „De Nederlandse poëzie van de 19e tot en met de 21ste eeuw“ heraus.“ 

Land unter

Die Initiative für das Projekt nahmen die Tageszeitung NRC Handelsblad, der TV-Sender NPS und die Organisation Poetry International. Der Dichter wird im Internet und in den Buchhandlungen gewählt. Gerrit Komrij ist in den Niederlanden als Rezensent, als Autor und Dichter bekannt. 1968 erschien sein erster Gedichtband „Maagdenburgse halve bollen en andere gedichten“. Lange Zeit besprach er Bücher für die Wochenzeitung „Vrij Nederland“. Komrij ist ein ausgezeichneter Kenner des niederländischen Literaturbetriebes, hat für das NRC-Handelsblad geschrieben und TV-Sendungen gemacht. Nicht selten mit einer zynischen Zunge. Auf die Frage eines Journalisten der Zeitung „Het vrije volk“, was sein größter Wunsch sei, antwortete er: „Dass dieses Land ganz unter dem Wasserspiegel verschwindet und dass die Deiche brechen. Aber natürlich erst dann, wenn ich umgezogen bin.“

Bildquelle: Nationaal Archief
Erstellt: 14. September 2004

Gerrit Komrij ist mit anderen Worten zu einem literarischen Royalty geworden. Der Narr wurde zum König. Er unterhält sich geradezu auf Augenhöhe mit Königin Beatrix, der er als Dichter des Vaterlandes einmal einer tröstenden Hymne komponierte: «Sie sorgt dafür dass es Holland gibt. / Sie macht das Ausland zum Ausland, / Die Präsidenten zähmend – und unbeirrt / Löscht sie manch geheimen Innenbrand»

Het masker                                                           Die Maske

De man die vrolijk met zijn masker speelde            Der Mann, der heiter mit seiner Maske spielte
Totdat het uur sloeg dat zijn waar gelaat                Bis zur Stunde, in der sein wahres Antlitz
Muurvast één leven met zijn masker deelde:           Wie festgenagelt ein Leben mit seiner Maske teilte: 
Als kind al maakte dat verhaal me kwaad.               Als Kind schon machte mich die Geschichte sauer.

Zoiets was zuur. Straks, als ik groot zou zijn,         So etwas war doch bitter. Später, wenn ich groß wäre,
Zou ik bewijzen dat het anders kon:                       Würde ich beweisen, dass es anders geht: 
Dat ieder masker veilig, zonder pijn,                      Dass jede Maske sicher, ohne Schmerzen, 
Weer van je hoofd kon, als een capuchon.              Wieder vom Kopf kann, wie eine Kapuze.

En lang heb ik daar heilig in geloofd.                      Und lange habe ich heilig daran geglaubt. 
Op niets bedacht hield ik mijn aard verborgen        Nichts Böses ahnend, hielt ich meine Natur verborgen
Opdat die, als mijn speelvuur was gedoofd,            So, dass sie, als mein Spieleifer war gelöscht, 
Zuiver zou blijken als de eerste morgen.                 Klar erschien, wie der erste Morgen.

Nu ben ik oud, alleen om te erkennen:                    Jetzt bin ich alt, nur um zu erkennen: 
't Verhaal is waar. Het masker gaat niet af.            Die Geschichte ist wahr. Die Maske kann nicht abgelegt. 
Het is alsof je aan de hel moet wennen.                 Es ist, als ob man sich an die Hölle gewöhnen muss. 
Het is alsof je kijkt in een leeg graf.                      Es ist, als ob du in ein leeres Grab siehst.


Uit: Gerrit Komrij: Alle gedichten tot gisteren . Von: Gerrit Komrij: 
Alle Gedichte bis gestern. Amsterdam [etc.]:
De Arbeiderspers, 1999, p. Amsterdam [etc.]:
Die Arbeiderspers, 1999, S. 457.

Er is een land dat ik met pijn verliet,                      Es gibt ein Land, das ich mit Schmerzen verliess, 
Er is een land dat ik met pijn bewoon.                     Es gibt ein Land, das ich mit Schmerzen bewohne. 
Een derde land daartussen is er niet.                      Ein drittes Land, dazwischen, gibt es nicht. 
Mijn leven volgt een zonderling patroon:                Mein Leben folgt einem sonderlichen Muster:

Want waar ik heenga voel ik me niet thuis              Denn, wo ich hingehe, fühle ich mich nicht zu Hause 
En waar ik thuis ben wil ik telkens weg.                   Und ich zu Hause bin, will ich ständig weg. 
De grens wordt smal tussen geluk en kruis,             Die Grenze wird schmal zwischen Glück und Kreuz, 
Steeds minder denk ik wat ik hardop zeg.               Immer weniger denke ich, was ich laut sage.

Ik heb, om aan dit noodlot te ontkomen,                 Ich habe, um diesem Schicksal zu entkommen, 
Een derde land verzonnen in mijn hoofd,                 Ein drittes Land erfunden, in meinem Kopf, 
Een land vertrouwd met leugens en fantomen.        Ein Land, vertraut mit Lügen und Phantomen.

Aan diepgewortelde en zware bomen                       An tief verwurzelte und schwere Bäume 
Hangen honkvast de loden trossen ooft                   Hängen sesshaft die bleiernen Obsttrauben 
Van al mijn vederlicht geworden dromen.                Von all meinen federleicht gewordenen Träumen.

Uit: Gerrit Komrij: Luchtspiegelingen: gedichten, voornamelijk elegisch. Amsterdam: De Bezige Bij, 2001, p. 
Von: Gerrit Komrij: Fata Morgana: Gedichte, vor allem elegischer. Amsterdam: Die Bezige Bij, 2001, 
 



Twee koningskinderen

  
Gerrit Komrij, uit: "Alle gedichten tot gisteren"


Als alle mensen op hun handen liepen
En ankers bleven drijven op de Rijn,
Als oesters ongehoorde dingen riepen
En naalden ons doorstaken zonder pijn,

Als kangoeroes in hemelbedden sliepen
En mummies konden zingen in hun schrijn,
Als piramiden soepel zouden zwiepen
En modderbaden geurden naar jasmijn,

Als reuzen gingen zwemmen in 't ondiepe
En er geen einde kwam aan dit refrein,
Dan hoorde ik een raamkozijn zacht piepen
En kuste jij me, dwars door het gordijn.




Zwei Königskinder


Gerrit Komrij, aus dem Gedichtband "Alle gedichten tot gisteren"

Wenn alle Menschen auf ihren Händen liefen
Und Anker treiben blieben auf dem Rhein 
Wenn Austern ungehörte Dinge riefen
Und Nadeln uns durchstachen ohne Pein

Wenn Kängurus in Himmelbetten schliefen
Und Mumien singen konnten in ihrem Schrein
Wenn Pyramiden sich gelenkig schwungen
Und Moorbäder rochen nach Jasmin

Wenn Riesen im seichten Wasser schwimmen würden
Und dieser Refrain kein Ende nam
Da hörte ich einen Fensterrahmen sachte quietschen
Und du küsstest mich, gerade durch die Gardine.

 
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